Association d’établissements économiquement indépendants pour personnes âgées
 
 
 
 
 
 
 

Wie aus der TV-Mücke ein feuerfester Elefant wird
Es war einmal eine Alterspflegeinstitution, die ihren Bewohnerinnen und Bewohnern hohe Lebensqualität in persönlicher Atmosphäre bot – und das auch heute noch tut. Dass dazu eine bedürfnisgerechte Ausstattung gehört, ist eine Selbstverständlichkeit. Eine Selbstverständlichkeit, die hinter den Kulissen jedoch allzu häufig zu einem bürokratischen Kraftakt wird. Davon handelt auch diese Geschichte: Sie zeigt, wie schnell und nachhaltig behördliche Auflagen eine Mücke in einen Elefanten verwandeln.

Feuer und Flamme für den Brandschutz
Vor einiger Zeit wollte besagtes Alterszentrum seinen öffentlichen Wohnbereich mit neuen Fernsehbildschirmen bestücken und aufwerten. Falls Sie jetzt denken, das sei ein einfaches Unterfangen, müssen wir Sie leider eines Besseren belehren: Die Wahl des Bildschirms entpuppte sich als wahre Herkulesaufgabe. Denn in Alterszentren spielen Kriterien wie Bildschirmgrösse, Bildauflösung, Preis und Bildqualität beim Kauf eines Gerätes nur eine untergeordnete Rolle. Hier sind die Bestimmungen von Gebäudeversicherung und Feuerpolizei oberstes Gebot.

In unserem Fall schrieben die Behörden vor, dass die neuen Fernsehbildschirme absolut feuerfest sein müssen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diese Bedingung mit den in der Schweiz erhältlichen Monitoren nicht einzuhalten war. Wohl oder übel machte sich das Alterszentrum nun im Ausland auf die Suche – und wurde in den USA schliesslich fündig. Kleines Detail: Der Preis dieser absolut feuerfesten Fernseher lag um ein Vielfaches über dem Schweizer Niveau. Das Alterszentrum vertraute darauf, dass die behördlichen Auflagen und die damit verbundenen Mehrkosten gerechtfertigt waren – und entschied sich für den Kauf.

Ende gut, alles gut?
Leider nicht. Die Freude über den grenzüberschreitenden Einkaufserfolg währte nicht lange: Denn nun wurde das Alterszentrum aufgefordert, die Feuerfestigkeit der aus den USA importierten Bildschirme zu belegen. In der Folge liefen die Drähte heiss. Schliesslich gibt es verschiedene Stufen von Feuerfestigkeit – und diese sehen in der Schweiz ganz anders aus als in den USA. In unzähligen Mails diskutierten Feuerpolizei und Alterszentrum über die beglaubigte Übersetzung von englischen Herstellerangaben, über Sicherheitszertifikate und internationale Safety Standards. Die Köpfe rauchten, die Stimmung wurde hitziger, und am Ende füllte die Korrespondenz einen ganzen Aktenordner. Das Hin-und-Her raubte Zeit, Geld und Nerven.

Die letzte administrative Hürde war dann vergleichsweise einfach: Das Alterszentrum wurde aufgefordert, ein vier Zeilen und rund zehn Wörter umfassendes Etikett amtlich beglaubigen zu lassen. Dieses hielt die Einhaltung der internationalen IEC-Standards, die schwere Brennbarkeit des Gehäuses sowie Qualm- und Brennbarkeitsgrad der Monitore fest. Es versteht sich von selbst, dass die Beglaubigung länger dauerte und nicht ganz günstig war. Aber der Installation der Fernsehbildschirme stand nun endlich nichts mehr im Wege.

Und die Moral von der Geschicht’?
Feuerfestigkeit ohne Beglaubigung gibt es nicht! Und manchmal braucht es einen ganzen Aktenordner und zehn notariell bestätigte Zauberwörter, um den Bewohnerinnen und Bewohnern von Alterszentren zeitgemässes Fernsehen zu ermöglichen. 

Sache git’s, die git’s gar nit.

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