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konkret · politisch · aktiv
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Autorinnen:
Eva Zwahlen (Kommunikationsstudio)
Nicole Fivaz (Kreative Kommunikation & Coaching)

Neu ist das Phänomen Einsamkeit zwar nicht, und trotzdem ist es – vor allem wegen Covid-19 – in den letzten zwei Jahren stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Vielen wurde klar, wie schnell Vereinsamung passieren kann. Die Folgen werden wahrscheinlich noch länger sicht- und spürbar sein, denn chronische Einsamkeit hat schwerwiegende negative Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen. Studien kommen zum Schluss, dass soziale Unterstützung das Verhalten und die Emotionen beeinflusst, was wiederum biologische Prozesse auslöst oder lenkt. Man geht heute auch davon aus, dass soziale Kontakte einen direkten Einfluss auf die Stressreaktionen, den Hormonspiegel, die Immunabwehr und Entzündungsprozesse haben. Es erstaunt darum nicht, wenn Pflegende berichten, dass Menschen nach dem Lockdown kränker waren als vorher. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hielt in seinem Bulletin mit dem Titel «Soziale Ressourcen als Gesundheitsschutz» bereits 2014 fest: «Soziale Integration ist eine für das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Lebenserwartung zentrale Ressource. Menschen, die gut vernetzt sind, ausreichend Unterstützung erhalten, die sich in ein ausgeglichenes System von Geben und Nehmen eingebunden und selten einsam fühlen, leben länger und sind sowohl körperlich wie auch psychisch gesünder als Menschen, die unter sozialer Isolation leiden.» Weil die Folgen von Einsamkeit so gravierend sind, hat die ehemalige britische Ministerpräsidentin Theresa May in England bereits 2018 gehandelt und eine Ministerin für Einsamkeit ernannt. Diese Aktion sorgte weltweit für Schlagzeilen.  

Film soll Diskussionen anregen 

Einsamkeit ist oft nicht sichtbar. Und es ist kein Thema, welches Betroffene gerne öffentlich thematisieren. Im Film von Regisseurin Romana Lanfranconi erzählen sieben Menschen ihre Geschichte und wie sie mit ihrer Einsamkeit im Alter umgehen. Denn die Grösse der sozialen Netze nimmt mit dem Alter deutlich ab, was die Gefahr von Vereinsamung birgt. Die Protagonist*innen im Film leisten mit ihren offenen Worten einen wichtigen Beitrag, damit über Einsamkeit im Alter gesprochen wird. Romana Lanfranconi sagt dazu im Interview mit Eva Zwahlen: «Teilweise waren die Gespräche aber schon auch emotional. Ich bin sehr dankbar für diese Gefühle, denn ich bin überzeugt, dass diese Ehrlichkeit den Zuschauer*innen Mut machen kann, selbst über die eigene Einsamkeit nachzudenken und zu sprechen.» Gefragt nach der Botschaft des Films an die Gesellschaft, an die Politik, an uns alle, erklärt die Regisseurin: «Wir alle sollten vermehrt über unsere Gefühle, Ängste und Zweifel reden. Der Austausch ist wichtig und hilft, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Mir ist es auch sehr wichtig, die Solidarität in der Gesellschaft zu fördern. Manchmal hilft ein kurzes «Hallo» oder auch nur ein Lächeln, um den Tag für jemanden zu erheitern. Ich hoffe, dass jede*r bei sich anfangen kann und jeden Tag ein Lächeln auf die Strasse trägt. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema bin ich auf viele tolle Projekte gestossen, die beispielsweise die Nachbarschaftshilfe und das Zusammenleben allgemein fördern. Diese gilt es zu unterstützen und zu stärken. Mit diesen Organisationen arbeiten wir nun auch zusammen und organisieren Gesprächsrunden und Podiumsdiskussionen. Dabei erleben wir, dass das gemeinsame Schauen des Films intensive und intime Gespräche ermöglicht.» 

Einsamkeit Key Visual web

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Film anschauen und in eigene Aktivitäten einbinden

Der Dokumentarfilm und die Einzelportraits eignen sich als emotionalen Einstieg an Veranstaltungen, als Grundlage für Diskussionen, als Elemente in Aus- und Weiterbildungen, aber auch für Einzelgespräche mit Betroffenen. Der Film, die Portraits, Postkarten-Flyer und die Broschüren stellt die Herausgeberin, Familien- und Frauengesundheit in Luzern, allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

Mehr Informationen: https://www.einsamkeit-gesichter.ch/

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Alters- und Pflegeheime als wichtige Akteure gegen Einsamkeit 

Alters- und Pflegeheime leisten mit ihren Angeboten bereits jetzt einen wichtigen Beitrag für die soziale Teilhabe betagter Menschen. Aber auch im Pflegeheim kann Einsamkeit – insbesondere, wenn sie sich bereits chronifiziert hat – bei den Bewohnenden ein Thema sein. Chronisch einsame Menschen gehen nicht mehr auf andere zu, was sehr ungünstige Auswirkungen hat und sogar Depressionen auslösen kann. Mit ihren vielfältigen Angeboten und Gemeinschaftsaktivitäten in den Bereichen Bewegung, Musik, Kunst, Garten, Küche, Tiere und Handwerk tragen die Institutionen viel gegen Einsamkeit bei. Der Film von Romana Lanfranconi könnte ein Anstoss sein, noch einen Schritt weiter zu gehen und das Thema aktiv aufzugreifen, beispielsweise mit einem gemeinsamen (künftig sogar öffentlichen) Filmabend und anschliessender Diskussion. Allenfalls entdecken einsame Menschen, die im Alter noch zu Hause wohnen, so den Mehrwert eines Heimeintritts und wagen den gleichen Schritt, wie die eine Frau im Film. Gerade die neuen Angebote fürs Betreute Wohnen sind attraktiv und bieten verschiedene Möglichkeiten. Und wer weiss, möglicherweise findet jemand dabei für sich heraus, dass die freiwillige Arbeit im Heim ein gutes Mittel gegen Einsamkeit ist. Andere zu unterstützen, gibt ein gutes Gefühl und tut der eigenen Psyche gut. Unabhängig von der sozialen Unterstützung sind Personen zufriedener und nehmen ihren Gesundheitszustand positiver wahr, wenn sie sich im Rahmen einer Freiwilligenarbeit engagieren. Andere Teilnehmende werden allenfalls entdecken, welch wichtige Ressource die Natur gegen Einsamkeit ist. 

Soziale Vernetzung noch mehr fördern 

Viele Alters- und Pflegeheime haben eine öffentlich zugängliche Parkanlage, eine Cafeteria oder sogar kleine Tierparks. Damit sind sie prädestiniert, dass ihr Gelände zur Begegnungsstätte für die ganze Bevölkerung wird. Teilweise gibt es bereits Mehrgenerationenhäuser oder Kitas in Alters- und Pflegeheimen, um den Austausch zwischen Jung und Alt zu fördern. Vielleicht lohnt es sich zudem, den Kontakt mit der Gemeinde zu suchen, denn die ebenfalls von Eva Zwahlen interviewte Lucia Lanfranconi, welche als Sozialforscherin und Professorin an der Hochschule Luzern arbeitet, hat beobachtet: «Mehr und mehr Gemeinden steuern und gestalten ihre Alterspolitik durch klare Leitbilder und innovative Projekte. In der Gemeinde Ostermundigen wurde zum Beispiel unlängst ein Begegnungsweg, also ein «Bänkli-Weg», eröffnet, der Gelegenheit bieten soll, «einsame Menschen» zusammenzubringen und zu vernetzen.». Am Film ihrer Schwester gefällt ihr sehr gut, «dass sie vor allem auf die Handlungsstrategien fokussiert, die einsame Menschen entwickeln, um mit ihrer Einsamkeit umzugehen. Es sei ein wichtiges Thema, gerade in dieser schwierigen Zeit, in der wir noch immer stecken.» 

Und wer weiss, vielleicht bringt er ja auch die Alters- und Pflegeheime dazu, Projekte zu realisieren – sei es alleine oder in Zusammenarbeit mit der Gemeinde, mit lokalen Betrieben und Organisationen oder mit der Bevölkerung. Und wenn sie ein solches realisieren oder realisiert haben, melden Sie sich bei uns. Wir berichten gerne darüber.

 

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Sind Sie in der Alters- und Pflegeheimbranche tätig? Haben auch Sie Erfahrungen gemacht oder Erlebnisse aus Ihrem Alltag – sei es positiver oder negativer Art – die unbedingt publik gemacht werden sollten? Dann bereichern Sie diesen Blog und schicken Sie Ihre Geschichte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!!


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